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Zu spät begonnen


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redaktion
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Geschrieben: So, 27.07.2008 14:30 Uhr    Überschrift: Porträt Benjamin Langer
Zu spät begonnen
 
Die Nähe der Mädchen kann bei Benjamin Langer wahrlich kein Zufall sein. Der junge Mann ist ja nicht nur sehr schnell, er ist auch ziemlich eitel, sagt er selbst. Wer den Benjamin Langer im Winter erlebte, erlebte ihn dunkel- und kurzhaarig. Wer den Benjamin Langer heute erlebt, erlebt ihn mit etwas längerem Schopf, verziert mit blonden Strähnen. Und die liegen auch auf 400 und 800 Metern.  
 
Die Kritik hat aufgeschrieen nach den letzten Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik. Von internationaler läuferischer Größe fehle in der nationalen Riege nun jede Spur, was zumindest die Teilnehmerliste für die Olympischen Spiele in Peking beweist. Laufen sei nur noch ein modischer Trend, lautet eine Begründung der Kollegen Journalisten, der feste Bestandteil des Wellness-Wochenendes. Wie bitter. Nur wurde in diesem Pauschalurteil eine Kategorie gleich mit eingeschleust – die aber nicht dazu gehört. Es ist die Kategorie, in die auch Benjamin Langer fällt, der die Frage, warum er nun nie den Schritt zur Sportschule gegangen ist, etwas traurig an einem Freitag im Juli im Staßfurter Stadion der Einheit unter dem Tribünendach so beantwortet : " Ich habe zu spät damit angefangen. " Langer ist nämlich erst mit 15 Jahren, also vor 24 Monaten, zum SV Concordia gekommen. In die Sportschule wird man ab der achten Klasse eingeschult, als 13-J ähriger also. Unbewusst hatte ihn ja seine Mutter zum Verein getrieben. Gelaufen ist er nämlich schon immer. Nur irgendwann fragte sie : " Für wen läufst du eigentlich ?" Und Langer lief fortan für Concordia. Zu spät für die ganz große Karriere, aber längst nicht zu spät für die persönlichen Erfolge. Und davon gibt es sehr viele.  
 
Benjamin Langer ist nicht der grazile Läufer, zu breit ist das Kreuz, zu muskulös sind Arme und Beine geformt. Angefangen hat er mit Schwimmen, er ist zum Fußball gegangen, auch zum Taekwondo, und er hat Volleyball gespielt, bevor seine Mutter ihm diese Frage stellte und Langer sich für die Leichtathletik entschied. Alles zusammen wollte er nun nicht mehr machen. " Das wurde zu viel ", sagt er. Und nicht nur das : " Ich bin auch kein Mannschaftssportler. "  
 
Der Entschluss war richtig, aber das überrascht wiederum nicht. Langer hat seine Zukunft geplant, es gibt zumindest einen Plan A. Er will zur Bundeswehr nach München, will Sportwissenschaften und Pädagogik studieren. Zwölf Jahre müsste er sich dafür verpflichten. Er müsste womöglich Auslandseinsätze absolvieren, das weiß er, damit hat er sich beschäftigt. Zunächst aber steht der Eignungstest an. Kaum zu glauben, dass er den nicht schafft. Und Benjamin Langer, der sich auch mit Kraftsport fit hält, glaubt das – ganz sicher – erst recht nicht.  
 
Bis zur Bundeswehr sind es zwölf Monate, dann hat er sein Abitur in der Tasche, bis dahin gibt es noch einiges zu erleben auf der Tartanbahn. Und es gibt zwei Marken zu unterbieten. Die Zwei-Minuten-Marke über die 800 Meter und die 52-Sekunden-Marke über die 400 Meter. Er hatte sich geärgert bei den Norddeutschen Meisterschaften im Juni. Er lag auf der Tribüne, döste ein bisschen bei Pop und Rock aus den Kopfhörern, er beobachtete die Konkurrenz und musste dann feststellen, in seinen jeweiligen Vorläufen immer den langsameren erwischt zu haben. Die zwei Minuten hätte er gern schon in Rostock unterboten. Zugleich hatte er wohl zum ersten Mal beobachtet : " Die Konkurrenz war groß ", größer nämlich als die Konkurrenz auf Landesebene, die dominiert Langer auf den 400 und 800 Metern in seiner Altersklasse. Am Ende war es Rang acht auf der Mittelstrecke in 2 : 02, 73 Minuten. Dagegen stellte er auf 400 Metern eine neue Bestleistung auf, was den Concorden in diesem Jahr nun schon reihenweise gelungen ist. In Rostock sprintete er die Stadionrunde in 52, 57 Sekunden. Und wurde Neunter – soviel zur großen Konkurrenz. Rostock war das bislang größte Ereignis des Leichtathleten Benjamin Langer aus Güsten.  
 
Aber was wird dann aus dem Leichtathleten Langer, wenn der Soldat Langer zum Studium nach München gehen sollte ? Es ist die Frage, die er sich auch schon gestellt oder mit deren Antwort er sich bereits beschäftigt hat. Das verrät sein Blick. Den Leichtathleten Langer wird es nämlich kaum noch geben auf der Tartanbahn. Und weil er das weiß, schaut er an diesem Freitag im Juli nachdenklich und passend zum Himmel, an dem sich graue Regenwolken türmen.  
 
Er geht wieder auf die Bahn im Stadion der Einheit, erwärmt hat er sich schon. Jetzt muss er sich dehnen. Er legt den rechten Fuß auf die Barriere. Er streckt das Bein durch, die Muskeln sind angespannt. Das Handy piept. Nachricht von einem Mädchen.  
 
Quelle: Volksstimme vom 26.07.2008
(Bilder anklickbar)

Benjamin Langer jagt noch zwölf Monate lang die eigenen Bestmarken über 400 und 800 Meter.
harmar56
Beiträge: 480
Geschrieben: Fr, 15.08.2008 10:45 Uhr
Der Mann weis was er will. 
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